04.02.2020
Kommunalwahl 2020: "Bauen wir an einer Koalition zum Wohl unserer Gemeinde"

Ein Bericht von Robert Dotzauer, veröffentlicht im Neuen Tag am 05.02.2020

Vom Wahlrecht Gebrauch machen, Manfred Plößner wählen und den Kandidaten der Freien Wähler vertrauen: Für Bürgermeister Werner Roder ist das eine klare Sache. Jetzt gilt es, davon auch die Wähler zu überzeugen.

Über ein volles Haus freut sich Bürgermeisterkandidat Manfred Plößner (rechts) bei der Wahlversammlung der Freien Wählergemeinschaft im Schützenheim in Oberbibrach.

Nach dem großen Ansturm bei der Wahlveranstaltung der CSU verzeichnete auch die Freie Wählergemeinschaft (FWG) bei ihrer Versammlung im Schützenheim ein volles Haus. Im Vorraum des „St.-Sebastian-Saales“ saß das Wahlvolk dicht gedrängt, als FWG-Vorsitzender und Bürgermeisterkandidat Manfred Plößner alle willkommen hieß.

Mittendrin war dabei Bürgermeister Werner Roder. In einem Vorwort positionierte sich der scheidende Gemeindechef für Manfred Plößner: „Er kann das Amt vernünftig führen.“ Auch für die „engagierte Truppe“ der FW-Gemeinderatskandidaten gab es viel Vertrauensvorschuss: „Die FWG hat in den vergangenen 24 Jahren die Gemeindeentwicklung nachhaltig geprägt. Damit ist die Bevölkerung gut gefahren“, bilanzierte der Bürgermeister. Damit dies so bleiben möge, brauche "eine gute Truppe" die Unterstützung der Wählerschaft, sagte Roder.

Manfred Plößner stellte bei seiner persönlichen Vorstellung vor den circa 60 Besuchern, unter ihnen auch CSU-Gemeinderäte und -Gemeinderatskandidaten, klar: „Ich bin kein Zauberer, aber glauben Sie mir: Kein Einsatz für meine Heimatgemeinde und ihre Einwohner ist mir zu viel.“ Den Wunsch nach einer guten Zusammenarbeit mit allen kommunalpolitischen Kräften der Gemeinde unterstrich der Bürgermeisterkandidat mit dem Hinweis, dass auch die derzeitige Koalition zwischen CSU und Freien Wählern dem Freistaat gut tue. Vorstellbar sei diese Konstellation auch in der Gemeinde Vorbach.

Kernthemen von Plößners Kurzreferat waren anschließend eine Rückblende auf die gute Entwicklung der Gemeinde und ein Ausblick auf deren Zukunftsgestaltung. Als wichtige Zielvorstellungen nannte er die große Dorferneuerung in Oberbibrach mit intensiver Beteiligung der Einwohner, ein weiteres Wohnbauprojekt der Kommune in Oberbibrach und ergänzend zu weiteren Erschließungen von Baugebieten die Belebung der Dorfkerne.

Besonderen Wert legte der Redner auch auf eine „umweltfreundliche Gemeinde“. Darunter versteht er eine bienenfreundliche Kommune mit viel grünem Gedankengut. Mit der Dorferneuerung erhofft er sich auch eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Schwerpunktthema seiner Ausführungen war außerdem die Vorreiterrolle der Gemeinde beim ländlichen Kernwegenetz. Das neue ILE-Programm mit den Kommunen im Westen des Landkreises sei gut geeignet, auch den ländlichen Hauptwirtschaftswegebau bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.

Tiefschürfende Vorschläge kamen auch von ausgewählten Gemeinderatskandidaten. So hielt Evelyn Schmid ähnlich der Vorschläge Plößners mit Blick auf die Koalitionsverhältnisse in Bayern eine gute Zusammenarbeit auch im Dorf für wünschenswert. Ein lebenswerter Ortskern in Oberbibrach gehörte ebenso zu den zentralen Wünschen wie die Errichtung eines zweiten Mietwohngebäudes der Gemeinde in Oberbibrach und eine staatliche Garantie zum Erhalt der Grundschule.

Angesichts der Stimmungslage in der Gemeinde fand die Kandidatin: „Die Zusammenarbeit in den Gemeindeteilen ist besser als in den Medien dargestellt.“ Zu ihrem „Schlusscredo“ gehörte der Appell, das Positive zu betonen und das Negative zu vermindern: „Bauen wir an einer Koalition zum Wohl der Gemeinde.“

Martin Kräml suchte ebenfalls nach einem gemeinsamen Nenner mit den anderen politischen Gruppen. „Wählt die besten Köpfe aus beiden Listen“, appellierte er an die Zuhörer. Sein Plädoyer für den FW-Bürgermeisterkandidaten fasste Kräml in die Worte: „Manfred Plößner gehört nicht zum Prinzip Hoffnung. Sein Prinzip besteht vielmehr aus vielen Vorleistungen.“ Als Vorsitzender der Feuerwehr Oberbibrach forderte er mit Blick auf die Vereinsförderung und die Ausstattung der beiden Wehren mehr Vernunft und eine gerechte Betrachtung aller Ortsteile im Sinne von „Maß und Ziel“.

Dominik Eckert empfahl eine Gemeindesicht aus der Vogelperspektive: „Es geht um die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Region“, betonte der Mittelschullehrer und Jugendbeauftragte der Kommune. Als besondere Anliegen thematisierte er die Entwicklung der Grundschule, die Vorreiterrolle des Vereins „Hängematte“ für die offene Ganztagsschule mit zusätzlichen pädagogischen Vorteilen, das Vereinsleben als gesellschaftliches Bindeglied und den unschätzbaren Wert zur Schaffung von Arbeitsplätzen durch örtliche Unternehmer. Als Jugendbeauftragter begeisterte sich Eckert auch für ein abwechslungsreiches Familien- und Kinderprogramm.

Weitere Kandidaten nannten als kommunale Schwerpunkte eine „enkeltaugliche Nachhaltigkeit“ von Entscheidungen und eine stärkere Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der älteren Generation. Begrüßt wurde die Bauland-Offensive der Gemeinde, die zu einem lebenswerten Wohnen in den Ortsteilen beitrage - für Gemeinderat Sebastian Pittner ein Ist-Zustand, der ihn glücklich mache, in Vorbach zu wohnen und die Kinder in der Grundschule Oberbibrach in guten Händen zu wissen.

Pittner widersprach ebenfalls der Darstellung von „Grabenkämpfen“ zwischen den Ortsteilen. Er stelle im Gegenteil eine "Super-Zusammenarbeit" fest. Allenfalls werde die Entwicklung zwischen den Gemeindeteilen manchmal ein bisschen neidisch beobachtet. Umso wertvoller seien Kommunikation und Geschlossenheit. Eine gemeinsame Gemeinderatsliste wäre deshalb wohl das Beste gewesen, folgerte Pittner.

Anregungen kamen auch aus den Reihen der Zuhörer. Weitreichend war die Forderung von Josef Busch, eine Angliederung der Gemeinde Vorbach nach Oberfranken anzustreben. Busch empfahl zudem „Bürger-Windräder“ und wusste von erheblichen Gewinnausschüttungen für die Beteiligten. „Nach Oberfranken wollen wir nicht“, merkte dagegen Manfred Plößner an. Zur Energieproblematik empfahl der Bürgermeisterkandidat als bestes Rezept das Energiesparen. Plößner kündigte zwei E-Tankstellen in den Ortschaften Vorbach und Oberbibrach an und zeigte sich erfreut, dass der Landkreis als Modellregion zur Entwicklung einer Wasserstoff-Nutzung ausgewählt worden sei.

Markus Schickentanz beanstandete die Mobilfunkabdeckung im Gemeindebereich und verlangte Auskunft über die künftige Trinkwasserversorgung der Gemeinde bei zunehmenden Einschränkungen für die Landwirtschaft. Schickentanz forderte mehr Rücksichtnahme für die Bauern.

CSU-Gemeinderätin Marga Kreutzer entdeckte im Wahlprogramm der Freien Wähler viel Identisches mit den CSU-Vorstellungen. Auch sie empfahl den Bürgern, den besten Köpfen unter den 48 Kandidaten das Vertrauen zu schenken. „Auf bayerischer Ebene sind wir ja schon beieinander“, sagte Kreutzer und erinnerte auch an das Beispiel Immenreuth. Dort gebe es einen gemeinsamen Kandidaten der CSU und der Freien Wähler für das Bürgermeisteramt.

Es menschelt bei der Veranstaltung der Freien Wähler. Manfred Plößner (links) gratuliert dem FW-Gemeinderatskandidaten Dominik Eckert, der seit 18 Tagen Papa ist, mit einem "Babykorb".

Bilder: Robert Dotzauer